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Das verdorrte Herz Westfalens

Ich wusste das es ein Fehler war Schüssler in das Herz Westfalens einzuladen, mir wurde klar das er einen Infarkt verursachen würde, als er mit Hawaiihemd und einer Gummipuppe unter dem arm aus dem Zug fiel.
er rappelte sich doch leider wieder auf, bevor ich ihn zwischen die Gleise schubsen konnte, der Grund seines Sturzes waren die drei Herta Berlin Fans mit denen er sich wohl auf dem weg 'angelegt' hatte.
Unsere schnelle Flucht mit einem betrunkenen Schüssler auf dem Rücken, gestaltete sich abenteurlich, gerade als ich die Tür des Taxis ins Schloss zog und den Fahrer anschrie er möge nun entlich losfahren, prallte die streitwütige Horde gegen den Mercedes.
Ein hoch auch deutsche Wertarbeit.
Als ich einige Stunden später nach ihm sah, wurde mir schlagartig klar, das bei dieser Art Infarkt auch keine Herzdruckmassage würde helfen können.
In der Mitte des Hotelzimmers saß er umgeben von seiner Gummipuppe und zwei minderjährigen Prostituierten in mitten eines aufblasbaren Swimmingpools.
"Haöl däu nek tras le hä bis" grölte er mir entgegen während er sich geräuschvoll in den Pool übergab, das ersparte mir wenigstens die Arbeit die beiden Damen hinaus zu komplementieren.
Ich schlug ihn einen Stadtbummel vor, was er mit einem begeisterten "Hüor?" kommentierte.
Wenige Minuten später, hatten wir die Innenstadt erreicht und ich bot mich an uns ein Fischbrötchen an einer ansässigen Fast Food Bude zu besorgen.
Als ich mich mit zwei 'Wikingern' in der Hand umdrehte war er weg.
Mein Herz setzte aus, was würde er anrichten?
Die Antwort kam wenige Minuten später, als eine leere Wodkaflasche sich ihren Weg, vom Dach der Lambertikirche auf den Platz bahnte, gefolgt von einem verärgeten Zischen, die radfahrende Rentnerin hatte er glücklicherweise verfehlt.
Dort konnte ich ihn ausmachen, in seinem Hawaiihemd saß er in einem der Käfige, in denen einst die Leichen der Wiedertäufer verrotteten und ich hoffte er würde dort ebenso lange hängen wie seine anarchistischen historischen Vorläufer.
Die sich anschließende Rettungsaktion der Feuerwehr beobachtete ich von einem Kaffeehaus aus, immer wieder warf er mit Steinen und leeren Flaschen auf Passanten.
Mir war es inzwischen egal geworden, ich starrte in meinen Latte Machiato und hoffte er würde mich nicht wiederfinden.
Der Graf am 10.8.07 17:05


Berlin, 22. September

Liebes Tagebuch,
ach, wie enttäuscht ich bin. Wie hatten wir alle gehofft, einen grossen Durchbruch geschafft zu haben. Für einige Tage sah es so aus, als ob Alburn wieder in der Lage wäre, sich in menschlicher Gesellschaft zu bewegen. Welch grausamer Irrtum. Mein ehemals so einfallsreicher und sympathischer Freund erweckte tatsächlich den Eindruck von Besserung. Wir schafften es, in eines meiner Lieblingscafes in Berlin zu gehen, wo einige meiner kirgisischen Freunde gerne Lesungen und Kulturabende stattfinden lassen, und auch das kirgisisch-russiche Forum seine Versammlungen abhält. Der Abend verlief gut, und als Alburn an die Theke ging, um sich "noch ein Glas Wasser" zu bestellen, wurde ich nicht misstrauisch. Als ich sah, wie der die Olive aus dem "Wasser" fischte, wurde mir klar, dass der Abend an einem Wendepunkt angelangt war. Unter der Wirkung des ersten und der folgenden Martinis geriet Alburn schnell in Rage, begrapschte männliche wie weibliche Bedienungne, und grölte in schlechtem russichen Akzent "50 Dollarrr, alles klarr" und reagierte sehr ungehalten auf die Abwehrversuche. Meike Karenina, meiner guten Freundin und Kulturbotschafterin brüllte er hinterher, dass er jetzt richtig Beleidigt wäre, wenn sie erwachsen wäre. Nachdem Alburn noch ein paar Wasserpfeifen zetrümmerte, verliessen wir schnell das Lokal. Dem trunkenen Alburn folgend, wie er auf dem Weg zum Bahnhof ahnungslosen Passanten Drogen ins Bier schüttete, landetet wir in einem Kinosaal, und Alburn kündigte uns ein "Filmfestival" an. Das dargebotene zeigte jedech grösstenteils nackte Frauen mit unnatürlich vielen Brüssten, Gewalt gegen Ausländer und herrisch in die Kamera säuselnde Nonnen. Mir war es so peinlich. Mein Freund der Party-Meister schien mit seinen Freunden einem ähnlichen Irrtum erlegen zu sein, und ich erspähte ihn in den hinteren Reihen. Sofort fühlte ich mich wohler. Ich hoffe sie brachten mich nicht mit Alburn in Verbindung, der sich seinen Trenchcoat auszog, unter dem er kurze bayrische Lederhosen trug, sich einen Hitler-Bart anklebte, und im Stechschritt durchs Kino lief, laut krakelend "Wiit iieär, wärr ich bin?"
Glücklicherweise schritt darauf hin der Sicherheitsdienst ein, und ich konnte unerkannt flüchten und bin mit dem Shreck davon gekommen. Nun durchsuche in das Internet nach Selbsthilfegruppen für meinen Armen, verwirrten Freund. Ganz schwach glimmt in mir die Hoffnung, dass auch er noch irgendwie gerettet werden kann.
Schüssler am 22.9.06 12:56


Berlin, den 21.9.2006

Ich fasse es nicht! Seit Schüssler Einfluss auf meine Nachbarn gewonnen hat, traut sich meine liebe, liebe Freundin Katja nur noch verhüllt auf die Straße. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was sich in den letzten 72 Stunden ereignet hat, da ich die Zeit im Rudolf Virchow Klinikum zubringen musste. Mittlerweile sehe ich ein, dass das Russische Roulette ein Fehler war, aber ich wollte diesen armen Seelen doch nur etwas Unterhaltung bieten!

Wie dem auch sei, ich war nur froh pünktlich zum großen Finale des Comatrision-Filmfestival meines lieben Freundes Rasputin Illjitsch Ohnehaupt wieder entlassen zu sein. Zusammen mit meiner reizenden Begleitung Sandra tauchte ich bei diesem Event auf, um endlich wieder einen gemütlichen Abend zu zweit zu verbringen. Du weißt, liebes Tagebuch, wie sehr ich für Sandra schwärme und kannst dir daher sicherlich vorstellen, wie sehr ich mich auf diesen Abend freute...

Meine Freude war schlagartig dahin, als ich Schüsslers Gesicht in den Publikumsreihen erblickte. Dieses Monstrum, diese abscheuliche Kreatur! Diabolisch grinsend saß er in seinem Kinosessel und lotste uns lautstark krakelend zu den Plätzen neben sich.

Ich begriff zunächst nicht, doch als mein lieber Freund Ohnehaupt ankündigte, dass wir nun ein 'ganz besonderes Schmankerl' zu sehen bekamen und Schüssler dabei feste meinen Arm ergriff. Sollte er etwa? Hatte er wirklich?
Kurz darauf erflammte auf der Leinwand der Titel SEINES Meisterwerks: 'Dr. Rudolf Schüssler und der Planet der Todestitten'!

Mein Gott, ich bin immer noch benommen und weiß nicht, was ich zu dem restlichen Abend sagen soll. Mein soziales Leben in Berlin dürfte aber sicherlich erledigt sein. Alas, ich sollte erst einmal schlafen und die Ereignisse verdauen. Kommt Zeit, kommt Rat...
Hoffentlich!

Als dann,

Viktor
Viktor G. Alburn am 21.9.06 22:51


Nie wieder!

Liebes Tagebuch.
Meinen Besuch in Berlin so lange aufschiebend wie möglich war es nun wieder so weit. Mein Vortrag über die gegenseitige Befruchtung von Justifikationistischer Epistemologie, Quantenphysik und der modernen Novelle war im Ausland so gut aufgenommen worden, dass ich meine Freunde von der Deutschen Forschungsgesellschaft nicht länger hinhalten konnnte. Eine mögliche peinliche Szene am Bahnhof vermeiden wollend lies ich mich gar nicht erst am Bahnhof abholen, sondern beschloss, sofort ins Hotel zu fahren. Bereits am Empfang wurde mir klar, dass etwas nicht stimmte. Das sonst so zuvorkommende Personal des Ritz-Carlton hob die Augenbrauen, als ich mich nach meiner Reservierung erkundigte. Eine der Damen, eine mir noch als hilfbereit in erinnerung gebliebene Angestellte namens Silvie, die mir beim letzen Mal tief in der Nacht noch ein Exemplar der "offenen Gesellschaft und ihre Feinde" besorgt hatte, weil mich Einschlafprobleme plagten, sah mich sogar angewiedert an. Als ich mit leichtem Gepäck das Zimmer betrat, löste sich das Rätsel. Auf meinem Bett lag, angekettet, offenbar mit drogen ruhig gestellt und nur mit 2 latexsocke bekleidet eine Frau, ach was sage ich, eher ein Mächden, neben ihr in einem Kühler 2 Plastikflaschen goldfarbenen Bieres, und eine Grusskarte vom wohl doch nicht geheilten Alburn. Das letze Gespräch mit seiner armen Mutte hatte mich doch noch hoffen lassen. Immerhin hatte er seine sexuelle Fixierung auf Schäferhunde und Warane so gut wie überwunden, und auch sein Drogenkonsum schien sich langsam zu normalisieren.

Peinlich berührt, beschloss ich, dass arme Wesen loszumachen, mit einer Decke zu verhüllen, und etwas in meiner mittelhochdeutschen Gedichtsammlung zu lesen, bis sie wieder ansprechbar war, und ich in Erfahrung bringen konnte, wie man siie vielleicht von einer Anzeige abbringen könnte, schliesslich war Alburn ja noch auf Bewährung. Bevor ich mit dem Mädchen reden konnte, ging auch schon das Telefon, und Alburn frage mich, ob ich meine "Vorspeise" genossen hätte, und nun bereit wäre, mit ihm "ein bisschen loszumachen". Ich arrangierte, dass mein lieber Freund, der Bezirksbürgermeister sich der unschönen lage im Hotel annahm, und traf mich mit Alburn, um festzustellen, ob es für ihn vielleicht doch noch eine Chance gab, sich in die Gesellschaft zurückzubewegen.

Ich erkannte meinen Fehler, als ich in der Wohnung ankam, die mein ehemals doch einigermassen kultivierter Freund nun bewohnte. Im Wohnzimmer, dessen Möbel vor allem aus leeren Umzugskartons und Einkaufswagen, die vor geleerten Bierfalschen überquollen bestanden, empfing mich Alburn, und stellte mich seinen anderen Gästen vor, einem grosse Arabar in einem dunkelgrauen, blutbefleckten Bademantel, mit seiner Frau, die er an einer Kette führte und die bei jeder Geste des alten zusammenzuckte. Daneben gab es noch einen Amerikaner mit angespitzen Schneidezähnen, Muskelshirt und Baseballkappe, der sofort eine "line" anbot. Begleitet wurde er von einer ganzkörpertätowierten, die er ständig als sein "Kindchen" bezeichnete. Der Araber frage, ob wir jetzt, da wir vollständig seien, endlich durch das Weltall reisen wollten. Alburn verneinte energisch, und erinnerte die Anwesenden, dass es doch Zeit für das russisch Roulette wäre. Noch immer kann ich mich nicht dazu bringen, die nachfolgenden Szenen zu schildern, die Ärzte sage allerdings, dass es ein Wunder sei, dass kaum mit Langzeitschäden zu rechnen sei, was auch daran liegt, dass Alburn schatt einer richtigen Kugel den von ihm präparierten Beinknochen einer Katze für das Spiel verwandte. (end of part one)
Schüssler am 12.9.06 20:48


Berlin, den 11.9.2006

Er ist wieder da. Eigentlich ist damit alles gesagt und mein Leben in Berlin nun auch offiziell gescheitert. Schüssler kam am Freitag in meine Stadt, um sein neues Projekt, wie er seine lächerliche Betätigung als Kuppler un Zuhälter nennt, zu präsentieren. Offiziell sagte er mir damals am Telefon, dass es sich dabei um eine renomierte wissenschaftliche Tagung zum Thema 'Die moralsphilosophische Axiomatik der Wagner Festspiele im Spannungsfeld zwischen Fleischwaren und der CDU' handelte.
Als ich Rudolf jedoch am Ostbahnhof wie so oft schon in Empfang genommen hatte, war mir klar, dass sich der Wissenschaftsbegriff meines sogenannten Freundes sich elementar von dem meinigen unterscheidet: Begleitet von zwei offensichtlich angetrunkenen Damen aus der Ostukraine stolperte er auf den Bahnsteig und fiel dabei lallend einer älteren Dame in die Arme, die er anscheinend für mich hielt. Erst als die Dame sich mit all ihrer Kraft gegen Rudolfs 'Bruderkussversuche' wehrte, bemerkte er seinen Fehler. Ich kann auch nach Stunden, im Schreiben dieser Zeilen, nicht sagen, wer von uns dreien beschämter dreinschaute: Die Dame, Rudolf oder ich, der am liebsten ob der Peinlichkeit im Boden versunken wäre.

Zwei Tage sind seit dem vergangen und die Welt gerät zusehends aus den Fugen. Rudolf freut sich so sehr wieder aus seinem kleinkarrierten bayrischen Kaff entschunden zu sein, dass er mich gestern spontan nötigte, mit ihm und einigen meiner gelehrten Freunde der hiesigen Berliner Kunst und Musikszene eine 'Sause', wie er dieses sinnlose, nicht endenwollende Besäufnis durch zahlreiche Kneipen hinweg, nannte, zu unternehmen. Ich sorge mich zusehends, dass Dr. Schüssler ein ernstzunehmendes Alkoholproblem entwickelt, ja mehr noch! Er überträgt seine Alkoholsucht auf seine Mitmenschen, meine Freunde! Meike, eine zarte und feinsinnige Rose der Unschuld, die sonst keinen Tropfen anrührt, hat dieser Mensch faktisch h i n g e r i c h t e t ! Zunächst verkaufte er ihr Stark Cider als harmlosen Apfelsaft und als sie begriff, was sie da trank war es auch schon zu spät. Meike wollte sich weiterem Alkoholkonsum pflichtbewusst verweigern, war sie doch die gute Erziehung einer der renommiertesten katholischen Mädchenschulen ganz Frankreichs gewohnt, doch Schüssler lies nicht von ihr ab sondern erbat sich, ganz der Wissenschaftler, ihr zu demonstrieren, wie man damals zu Zeiten der Inquisition mit aufsässigen Hexen umgegangen sei, die sich weigerten Messwein zu trinken.

Ich habe sodann mit Meike den Rest der nacht auf der Intensivmedizinischen Versorgungsstation im Klinikum Mitte verbracht, wo es den Ärzten durch drei, wie ich fürchte sehr schmerzhafte Notfalloperationen den Trichterschlauch aus dem Rachen meiner Freundin zu entfernen und die Wunden angemessen zu versorgen. Werde ich meiner lieben Meike, dieses sanfte Reh, der Tau meines Morgens je wieder in die Augen blicken können?

Als ich gegen 6:15 morgens endlich wieder zu mir nachhause kam, hatte Schüssler bereits die Zeit genutzt und meine Mitbewohnerin Anna davon überzeugt, dass es eventuell doch ein lukrativer Nebenverdienst wäre, ihr Zimmer in ein Stundenhotel für obdachlose Freier zu verwandeln; er habe da auf ARTE eine Dokumentation gesehen, in der darüber berichtet wurde, wieviel Geld Obdachlose durch den Verkauf von Straßenzeitungen und sonstigen Bettelein einnähmen und es wäre ja nur gerecht, wenn Anna und er auch einen Teil der Einnahmen für sich verbuchten.
Es gelang mir nur mit großen Mühen und einem Brecheisen Schüssler aus dem Zimmer meiner so leicht zu beeinflussenden MItbewohnerin zu kriegen, nun liegt er für's Erste fixiert auf seiner Ausnüchterungspritsche und schmiedet neue Pläne: Er faselt irgendetwas von einer großen Orgie in dem neugeschaffenen Stundenhotel und ich frage mich, warum ich mir das antue? Ich, der Mensch mit dem ruhigen Gemüt.... Der Feingeist! Wahrscheinlich aus purem Mitleid, aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber dieser armen Seele!

Und doch, ich zähle die Stunden bis zu seiner Abreise...
Auf bald liebes Tagebuch,

Viktor
Viktor G. Alburn am 11.9.06 13:17


Berlin, 3.3. 2006

Berlin, 3.3. 2006

Liebes Tagebuch,

ich weiß nicht mehr, was ich mit Alburn anfangen soll. Einweisung? Von mir beaufsichtigter Drogenentzug? Aber was, wenn er das nicht übersteht? Wie soll ich seiner armen Mutter die Vorfälle des heutigen Tages erklären? Ich glaube sie ja selbst noch nicht richtig. Im Zuge der Spendenaktionen meiner lieben Freundin Agathe, die sich für die Kinder in Bar el Ghazal einsetzt, und die meine Bekannten aus dem Senat und von der Kulturstiftung in die neue Nationalgalerie eingeladen hatte, und zu der sich überraschend einige meiner mit-Unicef Botschafter gesellten, stürmte Alburn plötzlich den Saal. Er war offensichtlich völlig zugekokst, und trug nur einen über und über mit Blut und Sprühsahne besudelten weißen Artkittel. Im Schlepptau hatte er fünf Punks mit ihren Schäferhunden. Nachdem seine Schergen die Unicef Botschafter überfallen und an die Heizungen gekettet hatten, dekorierte Alburn sie mit seiner Sprühsahne, und ließ die Hunde auf sie los. Es war schrecklich. Leider endete der Abend nicht, nachdem er die Gäste, zum grossen Teil sehr nette alte Damen, von denen sich einige sofort in ärztliche Behandlung begaben, freiliess. Jetzt begann Alburn sich laut jodelnd über die alten und neuen Meisterwerke der Ausstellung zu übergeben. Immer wieder schrie er „Ich zeige euch, was Wahnsinn und Kunst wirklich ist!“ Worte können nicht ausdrücken, welche tiefe Scham ich empfand.
Zu hause angelangt versuchte ich mich mit der Interpretation alter mithrischer Verehrungsgesänge am Violoncello etwas zu beruhigen, aber meine Hände zitterten zu sehr, als dass ich der tiefen Mystik, die diesen, meinen Lieblingswerken innewohnen, gerecht werden konnte. Trotzdem meinte Justus, er würde mich gerne einmal bei einem Konzert in München unterstützen. Dieses Vertrauen mich sehr bewegt, und wird mich auch darin bestärkt, mein Opus Magnum, die Geschichte der Inkas, besonders der Viracocha Periode noch in den nächten Monaten zu einem Ende zu bringen und mich wieder mehr der Musik zu widmen.
- Schüssler -
Schüssler am 6.4.06 17:05


Berlin 3-32006

Liebes Tagebuch,

er will mein Leben zerstören! SCHÜSSLER WILL MEIN LEBEN ZERSTÖREN! Alles was ich mir in den Jahren seit meiner Ankunft in dieser schönen Stadt aufgebaut hat droht Schüssler binnen weniger Tage, ach was Stunden zusammenfallen zu lassen.

Meine geschätzen Kollegen vom Förderkreis 'Freunde der Neuen Nationalgalerie' haben mir bereits unmissverständlich klar gemacht, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben wünschen und das Schlimmste ist, dass ich diesen Wunsch zutiefst nachvollziehen kann.
Es geschah während des Salon Noir, welchen ich im Auftrag des Vereinsvorstandes im Zuge der 'Melancholie' Ausstellung auszurichten gedachte.
Ich hatte mich sogarsam präpariert und mein Vortrag zum Thema 'Thaddäus von Parma und die avorristische Auffassung der Acedia im Spiegel moderner kolumbianischer Kunst' ist sicherlich einer der Besten, die ich je zu Stande gebracht habe. Internationale Experten waren unserer Einladung gefolgt und zollten mir mit jedem Absatz respektvollen Applaus; ein Höhepunkt meiner Karriere. Doch gerade, als der Klimax meiner Rede erreicht ist, das Publikum gebannt meinen Worten lauscht, eine Totenstille in der ganzen Nationalgalerie herrscht und die Melancholie als Thema des Abends geradezu GREIFBAR, SPÜRBAR ist und GÄNSEHAUT bei so mancher Dame unter der Zuhörerschaft ausgelöst wird, springt plötzlich Schüssler, der sich bis dato verkleidet unter meinen gebildeten Freunden versteckt gehalten hatte, sturzbesoffen auf, an seiner Seite eine ebenso volltrunkene Horde Rheinländer, die er am Straßenstrich im Regierungsviertel gekauft hatte, und zusammen reissen sie sich ihre Abendgardrobe vom Leib, um ihre bunte, leider jedoch vollgekotze Kostümierung, die sie unbemerkt drunter trugen, zu präsentieren. Lauthals schrien sie meine armen, armen verschreckten Freunde an, sie ließen sich von 'melancholischen Spaßbremsen' wie uns das Feiern nicht verbieten, Aschermittwoch hin oder her. In einer Polonaise und unter lautstarkem Gesinge diverser Karnevalslieder mit geradezu entsetzend frauenfeindlichen Texten marschierten sie durch die Reihen meiner Zuhörerschaft und wer sich weigerte, sich ihrem Reigen anzuschließen wurde kurzer Hand auf das Übelste von ihnen verdroschen. Frau Rosh hat wohl wie ich fürchte bleibende Schäden davon getragen. Ich habe der Guten bereits Blumen ins Krankenhaus schicken wollen, doch die Ärzte meinten, es sei alles ganz schnell gegangen, sie rechneten nicht damit, dass die arme Frau jemals wieder zu Bewusstsein kommen würde.
Wie bin ich nur froh, dass unser regierender Partymeister die Gefahr der Stunde erkannt hat und sich spontan Schüsslers sabbernder Meute anschloss, nicht auszudenken, was gewesen wäre wenn...

Ich selbst habe mich in den Westflügel zurückgezogen, um stumm meinem Kummer und den dunklen Gedanken nachzuhängen. Ich weiß nicht, wie ich für die mit Blut und Kotze vollgeschmierten Meisterwerke der Ausstellung aufkommen soll und die Androhung Schüsslers am nächsten Morgen, er werde sich schon um alles kümmern macht mir mehr als Angst. Was hat dieser Wahnsinnige vor? Dass er den Tigeranzug dabei hat, ist sicherlich kein gutes Zeichen. Glaubt er tatsächlich, wir würden 5,7 Millarden Euro im Spielcasino gewinnen können? Oh nein, er wird doch nicht.. Einen Überfall?

Ich muss schließen und die Polizei informieren bevor es zu spät ist. Kein Zeit für mein geliebtes Lautenspiel, ich werde dem Bundespräsidenten für die Neukomposition der Nationalhymne wohl absagen müssen!
Alburn am 14.3.06 01:58


Schuessler

Liebes Tagebuch,
ich bemitleide Alburn. Schon bei meiner Ankunft am schoenen Ostbahnhof der von mir so geliebten Stadt musste er sich in Szene setzen, indem er sich von 5 schwarzen Prostituierten begleiten liess, die er an Lederleinen hielt. Als wir gemeinsam in den Bus stiegen - Alburn weigerte sich ein Taxi zu nehmen, denn dass ermutige die Ittaker doch nur, die sich hier einnisten - gröhlte er lautstark, dass es seine "heilige Pflicht" sei, die armen Mädchen "unter seine Fittiche zu nehmen". Auf die Entsetzten Blicke einer älteren Dame antwortend rülpste er ihr ins Gesicht und schlug ihr vor, Teil seines Rentnerreduzierungsprogrammes zu werden, und wir konnten im den 6-Schuss-Trommelrevolver gerade noch rechtzeitig entreissen.

Ich selbst habe nach meiner Ankunft noch etwas Zeit gefunden, mich mit meinem Verleger zu treffen, und die Lesung über spätbyzantinische Hausfrauenkunst sollte ein voller Erflog werden. Bedauerlich, dass ich fuer mein geliebtes Schachspiel kaum Zeit finde, da staendig Wildfremde Blumen bringen, weil sie meine Gedichte so tief berühreren. Wir diskutieren dann bis tief in die Nacht, und es wird viel geweint.

Schuessler
waffeleisen am 9.3.06 14:01


Berlin, 1-3-2006

Liebes Tagebuch,

Schüssler ist so beschämend primitiv, dass ich mich schon bei seiner Ankunft am Bahnhof Zoo sehr für ihn genieren musste. Vollbeladen wie ein Ochse stieg er, ein Herrenmagazin mit dem Titel 'MÖPSE!' im Maul, aus dem Zug und verlangte als gleich er alles einfach auf den Bahnsteig warf lautstark nach einem 'Packneger' und fragte an, ob man denn nicht endlich die alten Ost-Vorurteile gegenüber dem Konzept der Herrenmenschenrasse aufgegeben hätte.
Nervös musste ich mich umschauen, wusste ich doch, dass meine liebe, farbige, aus Südafrika stammende Freundin Mimi in diesen Stunden ihre neue Ausstellung 'Die postkoloniale Frauenbewegung in Nordost Südafrika' im Museum für Fotografie gleich hier im westlichen Herzen meiner schönen Stadt zu eröffnen gedachte und sie mir ankündigte, doch noch einige Besucher aus ihrer Heimat hier am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Hoffentlich hat sie mich nur nicht mit dem provinziellen Bayern gesehen!

Ich selbst freue mich, dass mein Arbeitsprojekt gegen die Beschneidung von Frauen auf dem schwarzen Kontinent so erfolgreich ist und genug Spenden beschaffen konnte, um Mimi diese Ausstellung zu ermöglichen. Dafür verzichte ich gern auf den Ausbau meines privaten Flügels im Gästehaus der Karl Dietrich Bonhoeffer Nervenklinik, denn den lieben Patienten kann man für solch 'private' Investitionen sicherlich nicht mehr Geld abverlangen, ist es doch unsere Pflicht sie gesunden und nicht bluten zu lassen.

Ich muss schließen und so hoffe ich, die Tage mit Schüssler werden recht bald um sein, muss ich mich doch wieder meinen lieben, prächtig gedeihenden Kindern widmen. Ach, was erfüllen sie mich mit Stolz und es schmerzt mir das Herz, wenn ich daran denke, sie in den kommenden Nächten nur so wenig sehen zu können...

-Viktor-
waffeleisen am 9.3.06 13:29





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