Fesch Trash!
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/waffeleisen

Gratis bloggen bei
myblog.de





Links
  
Kaffeepause
  
Love Economist
  
talentFREI!
  
Vivisektion
  
Zuhoerlaute
 
Berlin, 1-3-2006

Liebes Tagebuch,

Schüssler ist so beschämend primitiv, dass ich mich schon bei seiner Ankunft am Bahnhof Zoo sehr für ihn genieren musste. Vollbeladen wie ein Ochse stieg er, ein Herrenmagazin mit dem Titel 'MÖPSE!' im Maul, aus dem Zug und verlangte als gleich er alles einfach auf den Bahnsteig warf lautstark nach einem 'Packneger' und fragte an, ob man denn nicht endlich die alten Ost-Vorurteile gegenüber dem Konzept der Herrenmenschenrasse aufgegeben hätte.
Nervös musste ich mich umschauen, wusste ich doch, dass meine liebe, farbige, aus Südafrika stammende Freundin Mimi in diesen Stunden ihre neue Ausstellung 'Die postkoloniale Frauenbewegung in Nordost Südafrika' im Museum für Fotografie gleich hier im westlichen Herzen meiner schönen Stadt zu eröffnen gedachte und sie mir ankündigte, doch noch einige Besucher aus ihrer Heimat hier am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Hoffentlich hat sie mich nur nicht mit dem provinziellen Bayern gesehen!

Ich selbst freue mich, dass mein Arbeitsprojekt gegen die Beschneidung von Frauen auf dem schwarzen Kontinent so erfolgreich ist und genug Spenden beschaffen konnte, um Mimi diese Ausstellung zu ermöglichen. Dafür verzichte ich gern auf den Ausbau meines privaten Flügels im Gästehaus der Karl Dietrich Bonhoeffer Nervenklinik, denn den lieben Patienten kann man für solch 'private' Investitionen sicherlich nicht mehr Geld abverlangen, ist es doch unsere Pflicht sie gesunden und nicht bluten zu lassen.

Ich muss schließen und so hoffe ich, die Tage mit Schüssler werden recht bald um sein, muss ich mich doch wieder meinen lieben, prächtig gedeihenden Kindern widmen. Ach, was erfüllen sie mich mit Stolz und es schmerzt mir das Herz, wenn ich daran denke, sie in den kommenden Nächten nur so wenig sehen zu können...

-Viktor-
9.3.06 13:29


Schuessler

Liebes Tagebuch,
ich bemitleide Alburn. Schon bei meiner Ankunft am schoenen Ostbahnhof der von mir so geliebten Stadt musste er sich in Szene setzen, indem er sich von 5 schwarzen Prostituierten begleiten liess, die er an Lederleinen hielt. Als wir gemeinsam in den Bus stiegen - Alburn weigerte sich ein Taxi zu nehmen, denn dass ermutige die Ittaker doch nur, die sich hier einnisten - gröhlte er lautstark, dass es seine "heilige Pflicht" sei, die armen Mädchen "unter seine Fittiche zu nehmen". Auf die Entsetzten Blicke einer älteren Dame antwortend rülpste er ihr ins Gesicht und schlug ihr vor, Teil seines Rentnerreduzierungsprogrammes zu werden, und wir konnten im den 6-Schuss-Trommelrevolver gerade noch rechtzeitig entreissen.

Ich selbst habe nach meiner Ankunft noch etwas Zeit gefunden, mich mit meinem Verleger zu treffen, und die Lesung über spätbyzantinische Hausfrauenkunst sollte ein voller Erflog werden. Bedauerlich, dass ich fuer mein geliebtes Schachspiel kaum Zeit finde, da staendig Wildfremde Blumen bringen, weil sie meine Gedichte so tief berühreren. Wir diskutieren dann bis tief in die Nacht, und es wird viel geweint.

Schuessler
9.3.06 14:01


Berlin 3-32006

Liebes Tagebuch,

er will mein Leben zerstören! SCHÜSSLER WILL MEIN LEBEN ZERSTÖREN! Alles was ich mir in den Jahren seit meiner Ankunft in dieser schönen Stadt aufgebaut hat droht Schüssler binnen weniger Tage, ach was Stunden zusammenfallen zu lassen.

Meine geschätzen Kollegen vom Förderkreis 'Freunde der Neuen Nationalgalerie' haben mir bereits unmissverständlich klar gemacht, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben wünschen und das Schlimmste ist, dass ich diesen Wunsch zutiefst nachvollziehen kann.
Es geschah während des Salon Noir, welchen ich im Auftrag des Vereinsvorstandes im Zuge der 'Melancholie' Ausstellung auszurichten gedachte.
Ich hatte mich sogarsam präpariert und mein Vortrag zum Thema 'Thaddäus von Parma und die avorristische Auffassung der Acedia im Spiegel moderner kolumbianischer Kunst' ist sicherlich einer der Besten, die ich je zu Stande gebracht habe. Internationale Experten waren unserer Einladung gefolgt und zollten mir mit jedem Absatz respektvollen Applaus; ein Höhepunkt meiner Karriere. Doch gerade, als der Klimax meiner Rede erreicht ist, das Publikum gebannt meinen Worten lauscht, eine Totenstille in der ganzen Nationalgalerie herrscht und die Melancholie als Thema des Abends geradezu GREIFBAR, SPÜRBAR ist und GÄNSEHAUT bei so mancher Dame unter der Zuhörerschaft ausgelöst wird, springt plötzlich Schüssler, der sich bis dato verkleidet unter meinen gebildeten Freunden versteckt gehalten hatte, sturzbesoffen auf, an seiner Seite eine ebenso volltrunkene Horde Rheinländer, die er am Straßenstrich im Regierungsviertel gekauft hatte, und zusammen reissen sie sich ihre Abendgardrobe vom Leib, um ihre bunte, leider jedoch vollgekotze Kostümierung, die sie unbemerkt drunter trugen, zu präsentieren. Lauthals schrien sie meine armen, armen verschreckten Freunde an, sie ließen sich von 'melancholischen Spaßbremsen' wie uns das Feiern nicht verbieten, Aschermittwoch hin oder her. In einer Polonaise und unter lautstarkem Gesinge diverser Karnevalslieder mit geradezu entsetzend frauenfeindlichen Texten marschierten sie durch die Reihen meiner Zuhörerschaft und wer sich weigerte, sich ihrem Reigen anzuschließen wurde kurzer Hand auf das Übelste von ihnen verdroschen. Frau Rosh hat wohl wie ich fürchte bleibende Schäden davon getragen. Ich habe der Guten bereits Blumen ins Krankenhaus schicken wollen, doch die Ärzte meinten, es sei alles ganz schnell gegangen, sie rechneten nicht damit, dass die arme Frau jemals wieder zu Bewusstsein kommen würde.
Wie bin ich nur froh, dass unser regierender Partymeister die Gefahr der Stunde erkannt hat und sich spontan Schüsslers sabbernder Meute anschloss, nicht auszudenken, was gewesen wäre wenn...

Ich selbst habe mich in den Westflügel zurückgezogen, um stumm meinem Kummer und den dunklen Gedanken nachzuhängen. Ich weiß nicht, wie ich für die mit Blut und Kotze vollgeschmierten Meisterwerke der Ausstellung aufkommen soll und die Androhung Schüsslers am nächsten Morgen, er werde sich schon um alles kümmern macht mir mehr als Angst. Was hat dieser Wahnsinnige vor? Dass er den Tigeranzug dabei hat, ist sicherlich kein gutes Zeichen. Glaubt er tatsächlich, wir würden 5,7 Millarden Euro im Spielcasino gewinnen können? Oh nein, er wird doch nicht.. Einen Überfall?

Ich muss schließen und die Polizei informieren bevor es zu spät ist. Kein Zeit für mein geliebtes Lautenspiel, ich werde dem Bundespräsidenten für die Neukomposition der Nationalhymne wohl absagen müssen!
14.3.06 01:58





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung